Dorfgeschichten

13
Mai
2008

Jugenhaft

In unserem Schulbus fährt seit diesem oder vielleicht auch letztem Jahr ein kleines Mädchen mit langen blonden Haaren mit. Die Haare sind nicht nur schulterlang, nein, sie reichen bis zur Mitte des Rückens, was ja wirklich ziemlich lang ist. Sie kleidet sich zwar etwas burschikos, aber das tun meine kleinen Schwestern ja auch.
Neulich habe ich dieses Mädchen im Schwimmbad gesehn. Sie trug nur eine Badehose und ihre Mutter nannte sie "Jonas".
Ups.

12
Mai
2008

Flieg, Rotkehlchen flieg!

"Spring Robin!"
Der höchstens zwölfjährige Junge steht oben auf dem 5m hohen Sprungturm und hat sichtlich Angst.
"Das geht ganz einfach! Ich bin auch schon gesprungen!"
Robin geht mutig bis an den Rand, sieht nach unten und krallt sich wieder am Geländer fest.
"Jetzt spring schon du Weichei!"
Das Gebrüll am Beckenrand hat bereits die Aufmerksamkeit aller umliegenden Badegäste auf den kleinen Jungen auf dem Sprungturm gelenkt. Wer ihn da "freundlich" anfeuert sind nicht etwa seine Freunde, nein, es ist sein Vater, der mit dem kleinen Bruder am Beckenrand steht und zu dem vielleicht zweijährigen Knirps sagt: "Gell, wenn du fünf bist springst du da runter!" bevor er seinen älteren Sohn wieder als feiges Weichei betitelt. Dutti steht auch oben, wir hören wie er sagt: "Ich glaub, wenn du nicht runterspringst versohlt dir dein Papa den Arsch." Er ist genauso pädagogisch bewandert wie der "Feigling" brüllende Vater. Später sagt er Robin hätte geantwortet "Das kann schon sein.". Das hören wir unten nicht. Wir sehen nur wie der kleine Junge wieder an den Rand schleicht, dort steht, runter guckt, und Dutti ihn schließlich schubst. Als er wieder aus dem Becken auftaucht applaudieren wir. Der Vater ist zufrieden, die Familie geht. Robin läuft noch einmal zurück zu Dutti. "Danke, dass du mich runter geschubst hast.", sagt er.
Was ist eigentlich die Moral dieser Geschichte?

5
Mai
2008

Immer mitten in die Fresse rein

Auf dem Vatertagsfest der freien Wähler am 1.Mai gab es eine Prügelei. Ich war live dabei (in einiger Entfernung) und frage mich:
Was bringt Menschen dazu sich auf öffentlichen Veranstaltungen zu betrinken und zu prügeln?
Liegt es daran, dass man(n) tief im Innern weiß, dass das eigene Leben langweilig und sinnlos ist und man(n) selbst zu bequem, feige und doof, um das zu ändern, sich daher volllaufen lässt um kleine Probleme zu vergessen und dann beknackten Streit anfängt nur um auch mal Recht zu haben und letztlich zuschlägt, weil im besoffenen Zustand schnell die Argumente ausgehn?
Ich habe keine Ahnung.
Körperlich agieren zu müssen, weil die Worte fehlen, das kenne ich. Den Rest habe ich zusammengesponnen. Andere semi-psychologische Ansätze bitte in die Kommentare.

12
Apr
2008

Frühjahrsputz

Jugenräume putzen im Pfarrzentrum.
Das wird nur einmal alle drei Jahre dreimal im Jahr von je einer anderen Jugendgruppe gemacht. Wir haben Limo gefunden, die im Sommer 05 abgelaufen ist. Draußen vor dem Fenster lag eine tote Maus. Und ich habe unter einer Bank einen Chip gefunden, dessen Schimmelpilzkulturen mit ziemlicher Sicherheit von den Amerikanern zur Erzeugung biologischer Massenvernichtungswaffen genutzt worden wären, hätte ich ihn nicht in den Abfalleimer geworfen.
Außerdem hab ich Spinnweben von der Decke gekehrt und Fenster geputzt.

Ich muss an den Frühjahrsputz vor zwei Jahren denken, als ich zum ersten Mal im Leben erfahren habe, dass jemand in mich verliebt ist. Jemand stand mal auf mich. Ich wusste, dass das mal passieren würde, wesentlich hässlichere Mädels als ich hatten schon Freunde, und ich wusste, dass es lange dauern würde bis es mal passiert, da ich als Schülerin einer Mädchenschule und Mitglied eines Vereins für Pfadfinderinnen kaum Jungen in meinem Alter kennen lernte. Aber auch die Partnervermittlung der Tanzkurs war erfolglos vorüber gegangen und so hatte es doch verdammt lange auf sich warten lassen. Doch dann ist es passiert. Im Januar vor zwei Jahren. Jemand hatte sich in mich verliebt.
Es kommt mir vor als wär es schon ewig her. Nicht erst zwei Jahre. Vier, mindestens.
Ich habe mich übrigens nie in ihn verliebt, aber das ist eine andere Geschichte.

9
Apr
2008

Die Jugend von heute...

Die Monster unter den Pfadfinderkinder (Alter 9-11) werden immer seltsamer. Spielen wir Spiele (Mord in der Disco, Rübenziehen, Zublinzeln...) mit ihnen jammern sie: "Babyspiele!" (Wobei ich erst vor kurzem herausgefunden habe, dass die Wortführerin der Monsterkinder ein Jahr jünger ist als der Rest der Bagage.). Ich frage sie, was sie stattdessen machen möchten. "Gericht spielen!", ruft das Ober-Monsterkind. Das Spiel kenne nicht und möchte es erklärt bekommen. "Also, einer ist der Richter und einer der Angeklagte und dann...", ich verstehe worauf das hinausläuft. "Ihr wollt Gerichtsshows nachspielen?" "Ja! Oder Topmodels!"

Warum wollen die diese mittelmäßige, Esstörungen verursachende Show nachspielen? (Und warum lassen ihre Mütter sie so etwas sehen? -Selbe Frage bei den Gerichtsshows-) Ist selbst etwas spielen nicht irgendwie kreativer? Oder ist ihnen die Phantasie dank überhöhten Fernsehkonsums schon abhanden gekommen?

Nun, das Ende vom Lied war, dass sie sich die Handlung für einen Film ausdenken durften, in dem eine Modenschau vorkommt und den wir dann irgendwann drehen werden.

Und wieder schockten uns die Kids. Zum einen muss unbedingt ein Mord vorkommen. Zusätzlich noch einen Selbstmord in die Handlung einzubauen haben wir ihnen einfach verboten, weil sie es sich nicht ausreden lassen wollten. Das kommt davon, wenn die Kinder schon mit sechs Jahren K11 als ihre Lieblingsserie angeben.
Außerdem sollte ein Liebespaar vorkommen, obwohl wir eigentlich nur Mädchen sind. Allerdings fand sich eine Freiwillige, die einen Mann spielen würde. O-Ton (für gewöhnlich braves, unversautes) Kind: "Und dann sind die zusammen, und dann küssen sie sich, und dann heiraten die, und dann ficken die."

20
Feb
2008

Zurück vom Mega-Event

Es war voll.
Ich fand es unheimlich sympathisch, dass die Bürgermeisterkandidaten sich alle gegenseitig mit Vornamen angesprochen haben. Das brachte eine gewisse kollegiale Wertschätzung zum Ausdruck. Der eine hatte einen nicht besonders starken aber im Gegensatz zu den beiden Mitbewerbern doch ausgeprägten Dialekt, was ihn für mich erstmal kurzzeitig unsympathisch machte. Ein anderer sagte "nichtsdestowenigertrotz". Und das fünf mal. Der dritte war dafür der einzige, der ein-, zweimal etwas schärfer im Ton wurde. Wen ich wählen soll weiß ich jetzt noch weniger als vorher.

heutiges Mega-Event:

Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten.
Ich will unbedingt hin.

18
Feb
2008

Politische Post

Nachdem die SPD bereits vergangene Woche in einer Briefaktion explizit Erstwähler angesprochen hat, fand ich heute Briefe von CSU und Freien Wählern im Briefkasten. Dabei fand ich das Vorgehen der Freien Wähler am bemerkenswertesten. Der Brief beginnt mit den Worten:
Du hast bisher nicht darüber nachgedacht wählen zu gehen?
Dich interessiert Politik nicht?
Du hast kein Interesse an den sogenannten "großen Volksparteien"[...]?

Danach folgt eine Ausführung, dass man um bürgernah zu sein, keine Partei sondern die Freien Wähler bräuchte. Natürlich. Das ist schließlich die Idee hinter dem, was sich "Freie Wähler" nennt, und mir ehrlich gesagt auf Kommunalebene auch nicht mehr zusagt als eine beliebige Partei. Die drei jungen Männer, die den Brief unterschrieben haben, kenne ich alle persönlich und sie sind mir auch sympathisch, aber mit diesen Unterschriften zeigt sich letztendlich noch einmal, was dieser Brief ist. Ein eindeutiger Versuch die Jugend anzusprechen, ihre Einstellung zu treffen. Für mich ein gescheiterter Versuch. Dich interessiert Politik nicht? Damit möchte man doch nicht wirklich ein Ja provozieren, oder? Die Mentalität der Jugend ansprechen zu wollen ist nichts verwerfliches. Aber mit Politik-Unlust Stimmen gewinnen wollen? Das halte ich doch für bedenklich.

Wäre begeistern nicht die bessere Alternative?

9
Feb
2008

listening to: illectronic rock

Was sonst?
Julia hat mich angerufen. Ich darf offiziel verkünden:
Es sind über 1000€ Gewinn!

We really did it!
So. Jetzt muss ich mir ein neues Blogthema suchen. *g*

Unwichtiges:

Mein Bruder hat mal wieder wichtige Bestandteile meiner W-Lan Verbindung mit in den Urlaub genommen. Und ich muss im Keller sitzen. Argh.

Privates:
Ich musste heute relativ früh aufstehen, wir hatten Altpapiersammlung. Und wenn ich schon nicht helfe, weil ich mich von der Party erholen muss, sollte ich doch wenigstens Mittagessen machen helfen.
Das Mittagessen hat Andi D. gemacht, ich hab zugeguckt, eine Paprika geschnitten und einmal die Soße umgerührt.
Das eigentlich interessante war, dass er wusste, dass "du an der Karibischen Kerle abgeschleppt hast." "Hä?" "Na, den Andre. Oder er dich. Oder so." "Ach so. Ne. Ich hab mich von dem nach Hause bringen lassen."
Hallo? Andi D. war an der Karibischen nicht mal da! Was sind wir eigentlich für ein verdammtes Tratschkaff? Und wer zur Hölle redet denn hier über mich?

1
Feb
2008

Leserbrief

Betreff: Kinsey Report
"Kinsey-Report erschütterte vor 50 Jahren die USA" lese ich heute in der Zeitung von gestern. Und dann im Text: "Sein Werk, das er vor 50 Jahren, am 31. Januar 1948, vorstellte [...]". Na, fällt Ihnen schon was auf? Nein? Dann geb ich Ihnen mal eine kleine mathematische Hilfe: 2008-1948= ? Vielleicht 50? Mit dieser Antwort müssen Sie die dritte Klasse wohl leider wiederholen, denn das Jahr 1948 ist mittlerweile 60 Jahre her. Liebe M.-E. Redaktion, willkommen im neuen Jahrtausend.

Soll ich das abschicken?

Ne, ich lass es. Ich seh grade, die wollen meine komplette Anschrift plus Telefonnummer sonst wirds hundert pro nicht veröffentlicht. Mit Adresse will ich allerdings auch nicht in die Zeitung. Und eigentlich wollt ich mich ja nur kurz scherzhaft über diese Riesenblödheit äußern.

Eine weitere Riesenblödheit, die leider gar nicht scherzhaft ist, erreicht mich gerade aus der Redaktion unserer Abizeitung. Das M.-E. hat sich bereit erklärt zu inserieren und hat uns eine Anzeige in Form einer M.-E.- Seite zukommen lassen. Einer Seite, die zufällig der Artikel zierte in dem der tödliche Autounfall unserer Mitschülerin A. aus dem letzten Mai dargestellt wurde. Unsere Verantwortliche hat natürlich sofort angerufen um das Problem zu beheben.
Wäre ich das gewesen, ich hätte mich nicht entscheiden können, ob ich denen die Ohren vollheul, oder ob ich sie anschreie.

Verdammtes Schundblatt, sowas schimpft sich Zeitung!
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